Die Architekten sind an allem schuld!

Die Architekten sind an allem schuld! Kennen Sie diesen Spruch auch, wenn in der Abteilung für Vorbeugenden Brandschutz mal wieder ein Bauvorhaben zur Stellungnahme vorgelegt wird, wo hinsichtlich des »VB« überhaupt nichts passt? Oder wenn wieder einmal ein junger Architekt anruft, der gerne von der Feuerwehr zum Thema Brandschutz beraten werden möchte und in seinem Entwurf so gut wie keine erforderlichen Brandschutzmaßnahmen verwirklicht hat? Oder wenn im Brandschutzkonzept nur die blanke Bauordnung abgeschrieben wird, ohne Sinn und Verstand?

Ja, wir alle kennen diese Fälle. Aber können wir dem Architekten hier nur einen Vorwurf der Unwissenheit machen? Wir nehmen gerne für uns in Anspruch, die »Wissenden im Brandschutz« zu sein. Aber wir können nicht alle Bauvorhaben mit unserem Sachverstand perfekt machen – das ist die Aufgabe des Bauherrn und seiner Planer! Wir sollten aber darüber nachdenken, wie wir »die Planer« dazu bringen, dass sie die berechtigten Belange des Vorbeugenden Brandschutzes bereits beim Entwurf im Hinterkopf behalten. Das heißt nicht, dass jeder Architekt ein vollständiger Fachplaner für Brandschutz sein muss! Aber haben wir uns einmal Gedanken darüber gemacht, was ein Architekt über Brandschutz wirklich wissen muss? »Das ist nicht viel«, sagt der Fachmann, aber in Architekturkreisen geht die »Schimäre des Brandschutzes« herum, die alles kaputt mache, was sich in ihren kreativen Köpfen abspielt. Dabei ist es oft gar nicht schwer, auch bei ausgefallenen Konstruktionen, den richtigen Weg für einen guten »VB« zu finden.

Ein weiteres Beispiel: Im einfachen Wohnungsbau berücksichtigt der Planer nicht von Anfang an den ersten und den zweiten Rettungsweg bei der Grundrissgestaltung – und zieht sich auf den Spruch zurück: »Den Brandschutz macht der Fachplaner!« Das reicht leider nicht, denn einen schlechten Entwurf kann auch ein Brandschutzplaner nicht gesund beten! Wenn ich einen sicheren Entwurf, auch bei einfachen Gebäuden wie im Wohnungsbau, vorlegen möchte, muss ich bereits bei den Gedanken der Grundrissgestaltung das Konzept der Rettungswege mit einfließen lassen. Wenn aufgrund der Lage auf dem Grundstück ein Rettungsfenster nicht von Leitern der Feuerwehr erreichbar ist, dann muss bereits bei der Grundrissgestaltung überlegt werden, wie ich das Problem löse – gleich, ob es einen zweiten Treppenraum oder einen Sicherheitstreppenraum geben wird. Denn eine späte Umplanung eines »vertrackten Grundrisses« durch Fachplaner bringt nur Mehrarbeit und Zusatzkosten!

Die Probleme belasten auch die Feuerwehren und jeder Sachbearbeiter weiß, wie viel Energie er schon aus Gutmütigkeit in so manches Bauvorhaben gesteckt hat, weil ein jammernder Architekt gekommen ist, der seine Hausaufgaben nicht gemacht und die grundlegenden Belange des Brandschutzes nicht berücksichtigt hat. Wir, die Feuerwehren, haben im Allgemeinen den Sachverstand, wie die Lösungen sein können und auf was man beim Entwurf achten müsste. Wir sollten daher darüber nachdenken, wie viel Wissen der Architekt über den Brandschutz braucht und wie wir dies in der heutigen medialen Welt in geeigneter Form an den Architekten bringen können – am besten bereits im Studium! Das wird den Feuerwehren und Brandschutzdienststellen langfristig mehr Zeit ersparen, als wir jetzt erst einmal in diese Aktion stecken müssen!

Aber: Gerade dies geht nur zusammen mit den Architekten, und wir sollten sie als Verbündete im Sinne einer besseren und sicheren Bauweise für die Zukunft finden!

FRIEDER_KIRCHER

Diplom-Ingenieur Frieder Kircher,
Leitender Branddirektor
Berliner Feuerwehr

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