Wir sollten unsere Werte leben!

Wir sollten unsere Werte leben! Das Thema »Ethik in der Feuerwehr« lässt mich nicht mehr los. Liegt es am Alter – vielleicht mit einem kleinen Anspruch auf »beginnende Weisheit«? Ich weiß nicht, ob ich so vermessen sein darf. Vielleicht erinnern Sie sich aber noch an mein Editorial »Ethik bei der Feuerwehr« in Heft 4/2013? Seitdem hat sich so einiges getan und ich bin schon deutlich vor der Interschutz von einer Gruppe Feuerwehrangehöriger angesprochen worden, die sich vertieft mit diesem Thema befassen und es weiter tun. Es ist die Christliche Feuerwehr-Vereinigung (www.cfv-ev.de). Mitglieder davon haben einen Versuch gemacht, meine Fragen zu beantworten und waren auch während der Interschutz mit einem Stand vertreten – wie sie mir erzählt haben, mit beachtlichem Widerhall! Unter anderem ist es auch gelungen, eine große Anzahl von Feuerwehrbibeln bei den Standbesuchern zu verteilen. Sind wir jetzt alle christlich geworden?

Nun – ich weiß es nicht. Ich bin es, aber jeder muss es für sich beantworten. Was aber auf meinem Schreibtisch immer wieder erstaunliche Beachtung bei jedem Besucher findet, ist das Rote Heft 100 von Bernd Kramp und Daniel Nydegger mit dem Titel »Ethik in der Feuerwehr« – geschrieben von einem Feuerwehrmann und einem Pfarrer, der auch Feuerwehrmann ist. In dem Roten Heft befassen sich die Autoren nach ein paar grundsätzlichen Aussagen zu Ethik und Moral mit einen Vorschlag von Werten für Feuerwehrangehörige, über die es sich lohnt, einmal nachzudenken: Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit, Genügsamkeit, Selbsteinschätzung, Treue/ Solidarität, Sorgfalt, Wertschätzung, Zielorientierung und Vertrauen/Glaubwürdigkeit. Wer genau nachzählt, stellt fest, dass es exakt zehn Werte sind, welche die Autoren hier angeführt haben. Zehn – nur als Dezimale zu verstehen? Nein, da war doch noch etwas anderes! Aus unserer christlichen Erziehung kennen wir die zehn Gebote – komprimierte Lebensweisheit des Christenmenschen, die in sehr ähnlicher Form übrigens in allen Weltreligionen auftauchen.

Beim näheren Studium des Roten Heftes habe ich dann am Ende einen Vergleich bzw. eine Erläuterung zu diesen zehn Werten gefunden. Es ist der Versuch, eine Verbindung dieser Werte mit dem tieferen Inhalt der zehn Gebote aus dem alten Testament herzustellen. Es hat mich doch sehr berührt, als ich gesehen habe, dass diese aufgestellten zehn Werte für uns Feuerwehrangehörige sehr eng mit dem tieferen Hintergrund der zehn Gebote aus dem Alten Testament verbunden sind – lesen Sie nach, die Erklärungen sind nicht unlogisch!

Was will ich damit sagen? Auf der Suche nach Werten für unser manchmal nicht leichtes Handeln im Feuerwehrdienst kann man Antworten gut gebrauchen. Es ist erfreulich, dass sich in unserer doch sehr stark technisch geprägten Organisation Menschen daran gemacht haben, das, was der immaterielle Hintergrund unseres Handelns sein könnte, zu formulieren und auszudrücken. Nach der technisch und rational geprägten BRANDSchutz-Juli-Ausgabe zur Interschutz sollten wir uns vielleicht auch einmal Gedanken über den Wert unserer Organisation, die Werte unserer Gemeinschaft und unsere Stärke machen: Wir finden überall Kameraden und Kollegen, auf die wir uns verlassen können und mit denen wir gemeinsam unser Ziel verfolgen: Nämlich dem Menschen in der Not zu helfen.

Die Interschutz hat mir wieder einmal mehr gezeigt, dass wir in den Feuerwehren in Deutschland, aber auch in Europa, in einer großen Gemeinschaft leben, die von gegenseitiger Verlässlichkeit geprägt ist. Wir sollten stolz darauf sein und einmal mehr darüber nachdenken, wie wir unsere Werte leben können.

FRIEDER_KIRCHER

Diplom-Ingenieur Frieder Kircher,
Leitender Branddirektor
Berliner Feuerwehr

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