Die ZPO in Fällen

Foto von Dr. Oliver ElzerHerr Dr. Elzer, Sie haben Jura studiert, was hat Sie dazu bewogen?

Auch wenn es naiv klingt: ich wollte Richter werden.

Welchen Berufswunsch hatten Sie im Alter von 10 Jahren?

Architekt.

Heute sind Sie Richter am Kammergericht in Berlin und betreuen dort Rechtsreferendare im Bereich Zivilprozessrecht. Haben Sie einen guten „Überlebenstipp“ für Referendare?

Ab dem ersten Tag ein ausgewogenes Maß zwischen Arbeit und Pausen. Um dieses Maß zu erreichen, muss das Lernen – vor allem des formellen Rechts – sofort mit dem Referendariat beginnen. Parallel muss das materielle Recht wiederholt werden (da das materielle Recht „sitzen“ muss, ist für viele Referendare der Schnellschuss – der häufig nur ein Schmalspurstudium erlaubt – ein fragwürdiger Weg). Neben dem Lernen muss die Freizeit stehen – die jeder so füllen sollte, dass er wieder „frisch ans Werk“ gehen kann.

Wie kam es zu Ihrer Entscheidung als Richter tätig zu werden?

Ich hoffte damit einen Beruf zu haben, bei dem der Mensch und das Denken im Mittelpunkt stehen und bei dem es nicht darauf ankommt, etwas zu verkaufen.

Wie ist es mit dem juristischen Nachwuchs? Gibt es genügend Anwärter, oder schlägt auch hier schon der demografische Wandel zu?

Die Justiz scheint vielen jungen Kollegen immer noch – zu Recht – als sehr attraktiv. Die Bewerberzahlen sind daher zurzeit noch sehr gut und das Angebot überschreitet bei weitem die Nachfrage. Das sollte aber keinen davon abhalten, Richter werden zu wollen – ein wunderbarer Beruf.

Im Herbst erscheint in unserem Verlag das Studienbuch „Die ZPO in Fällen“ in zweiter Auflage. Was zeichnet das Werk aus?

Die Autoren der ersten Auflage und meine Freunde und ich haben versucht, anhand von möglichst vielen, kleinen und einfachen Fällen das Zivilprozessrecht in seiner ganzen Bandbreite vorzustellen. Die Stärke des Buches liegt darin, auf wenigen Seiten vieles zu erfahren und sich ein gutes Bild machen zu können, was einem in der Lehre, aber auch in der Praxis im Prozessrecht abverlangt wird. Es geht dabei nicht darum, vertieftes Wissen zu erlangen. Wer den von uns vorgestellten Stoff erlernt, ist freilich gut gerüstet.

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Was tun Sie, um sich nach schwierigen Fällen innerlich zu distanzieren um sie nicht mit nach Hause zu nehmen?

Mir ist zum „Abspannen“ und loslösen die Familie, Lesen, Musik, Kino und Sport wichtig. Wirklich „frei“ ist man aber auch dann nur selten. Wer meint, ohne Jura leben zu wollen, sollte nicht Richter werden. Das normale Zivilrecht liegt allerdings selten so, dass man sich davon selbst bei gutem Essen nicht lösen könnte. Anders ist es bei Gebieten, wo es um elementare Bedürfnisse geht, etwa das Familien-, das Sozial-, das Asyl-, das Ausländer- oder das Betreuungsrecht. Dort muss man sich ein sehr „dickes Fell“ zulegen – oder darf es nicht zu lange betreiben.

Was zeichnet einen guten Zivilrichter aus? Was sind die spezifischen Anforderungen an Berufseinsteiger?

Ein guter Zivilrichter sollte Zuhören können, „hinter“ den Fall schauen, Formalien nicht überbewerten und die Interessen der Parteien soweit wie möglich verstehen und versuchen, ihnen angemessen zu begegnen. Der Kopf muss immer „offen“ sein. Die Bereitschaft für lebenslanges Lernen ist unabdingbar. Der Berufseinsteiger muss natürlich ein guter Jurist sein. Er muss aber auch schnell Lernen, ein „Teamplayer“ sein und sich immer klar machen, dass er für die Bürger da ist und ihren Interessen zu dienen hat.

Wie sehen Sie die künftige Nutzung von Studienliteratur? Werden Studenten und Referendare vermehrt auf elektronische Produkte zurückgreifen (E-Books, Datenbanken etc.)?

Eine gute Studienliteratur sollte das Lernen so einfach wie möglich machen. Mit einem „Klick“ sollten einem ohne viel Suchen jedenfalls das Gesetz und in Bezug genommene Entscheidungen erreichbar sein. Dieses vermögen nur elektronische Produkte. Deren Vorteile sollte kein Lernender missen. Ich meine nicht, dass damit das klassische Buch völlig verdrängt werden wird. Seine Bedeutung wird aber in den Hintergrund treten.

Für Ihre Zeit und Mühe bedanken wir uns sehr herzlich.
Dr. Oliver Elzer ist Richter am Kammergericht in Berlin und seit vielen Jahren in der Referendarausbildung tätig. Weitere Infos unter.

Das Interview führte Joanna Amor.
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