Der Schwäbische Heimatkalender 2015

Wolfgang WalkerAnlässlich des Erscheinens des Schwäbischen Heimat­kalenders 2015 führten wir mit dem Herausgeber Wolfang Walker das folgende schriftliche Interview, in dem es um Heimat, das Schätzen des Althergebrachten und innovativer Tradition geht.

Der Schwäbische Heimat­kalender geht mit seinen 128 Seiten Umfang weit über ein normales Kalendarium hinaus. Geschichten, Historisches und Tipps zur Region finden sich viele. Was macht den Heimat­kalender so besonders?

Der Schwäbische Heimat­kalender ist ein verlässlicher Begleiter durchs ganze Jahr. Es macht Spaß, immer wieder in ihm zu blättern und zu lesen. Er bietet eine attraktive Mischung aus Information und Unterhaltung, aus Tradition und Moderne. Er ist zeitgemäß aufgemacht, reich bebildert und entspannt durchlesbar. Seine Artikel schildern anschaulich und vielfältig die “Schwäbische Heimat” und ihre Menschen. Dabei geht es nicht nur um Wohlbekanntes, bereits vielfach Beschriebenes, sondern auch um bisher eher Unbekanntes, deshalb aber nicht weniger Interessantes. Das Aufspüren solcher verborgenen “Schätze” im Land gehört ohne Zweifel zu den Besonderheiten des Schwäbischen Heimat­kalenders.

Heimat ist ein Begriff, der in der letzten Dekade doch deutlich an Attraktivität – auch bei jungen Menschen – gewonnen hat. Ist Heimat nun ein altes oder ein neues, innovatives Konzept und wie vermittelt der Schwäbische Heimat­kalender „seine“ Heimat?

Umschlag des Schwäbischen Heimatkalenders 2015 Der Begriff “Heimat” ist meines Erachtens zeitlos. Möglicherweise ist Heimat, wie ein kluger Zeitgenosse festgestellt hat, gar nicht ortsgebunden, sondern ein Gefühl des Wohlbefindens, das sich überall einstellen kann. Dass der Begriff gerade bei jungen Menschen an Attraktivität gewonnen hat, ist nach Expertenmeinung unter anderem auf die Globalisierung zurückzuführen. Die macht das Leben zwar vielfältig aber manchmal auch verwirrend und unüberschaubar. Da ist hin und wieder der Rückzug auf Überschaubares, Vertrautes, eben auf Heimat, verständlich. So vermittelt vielleicht auch der Schwäbische Heimat­kalender “seine” Heimat vertraut und überschaubar, aber auch immer innovativ mit neuen Facetten, die sich zu entdecken lohnen. So finden aktuelle Naturschutzprojekte ebenso Platz wie moderne Freizeitaktivitäten, Neues aus dem Kulturbereich und aktuelle soziale Themen. Daneben steht Traditionelles wie Brauchtum, Historie und Kulturgeschichte. Dazu kommen Begegnungen mit interessanten Menschen im oder aus dem Land und als ständige wichtige Rubrik Humor in gereimter und ungereimter Form.

Radio und Bücher unterscheiden sich erheblich, was war die größte Herausforderung als Herausgeber des Schwäbischen Heimat­kalenders, die Sie meistern mussten?

Wenn auch die Produkte unterschiedlich sind, die Arbeit dafür ist ähnlich. Auch für einen Rundfunkredakteur sind sorgfältige Recherchen zusammen mit sauberem grammatikalisch richtigem Formulieren wichtig und auch mit Autoren und ihren Manuskripten ist er oft beschäftigt. Außerdem werden begleitend zum Radioprogramm immer wieder Bücher veröffentlicht, sieben allein zu einer meiner Sendungen. Auch die Themen des Schwäbischen Heimat­kalenders waren mir als Redakteur und Moderator einer langjährigen heimatkundlichen Sendung nicht fremd. Unterschiede habe ich jedoch bei den Verbreitungsmöglichkeiten festgestellt. Ein Radioprogramm ist schon aufgrund der technischen Möglichkeiten einfacher und weiter zu verbreiten. Das Programm erreicht sein Publikum direkt, während für ein Buch zuerst Lese- und Kaufinteresse geweckt werden müssen. Den Kontakt mit möglichen Leserinnen und Lesern zu suchen und ihnen zu vermitteln, dass der Schwäbische Heimat­kalender nicht nur eine lange Tradition hat, sondern ein modernes zeitgemäßes Produkt und lesenswerter denn je ist, das war und ist die größte Herausforderung für mich.

Welches sind die Höhepunkte des diesjährigen Kalenders, die Sie unbedingt zu lesen empfehlen?

Da wären zuerst einmal die historischen, kulturgeschichtlichen und touristischen Erkundungen im Limpurger Land zwischen Gaildorf und Schwäbisch Hall, wo einst die Schenken von Limpurg residierten. Beachtenswerte Themen sind außerdem die Wutachschlucht und ein geplantes Biosphärengebiet im Südschwarzwald. Ein weiterer interessanter Artikel stellt mit dem Geocaching eine moderne digitale Schatzsuche in der Natur vor. Als Kontrast dazu bietet die Reportage von einer Eseltour Entschleunigung pur. Zur Rubrik der interessanten bzw. originellen Menschen und Vereinen im Land gehören Ziegenmilchseifensieder im Ostalbkreis, eine alteingesessene Schaustellerfamilie auf dem Cannstatter Volksfest, preisgekrönte Mitglieder eines Bart- und Schnauzerclubs in Schömberg und ein moderner Frauenchor in Kornwestheim, der bei einem Radiowettbewerb bester Chor des Landes wurde. Fehlt noch die Prominenz im Schwäbischen Heimat­kalender. Die ist mit Porträts des Travestiekünstlers Michael Panzer und seinem Frl. Wommy Wonder und der Rennfahrerlegende Hans Hermann würdig vertreten. Natürlich sind auch alle anderen Artikel des Schwäbischen Heimat­kalenders 2015 und sein Kalendarium mit Veranstaltungstipps äußerst lesenswert.

In einem Satz, warum lohnt es sich, den Schwäbischen Heimat­kalender zu erwerben, zu beblättern und zu lesen?

Eine Auszeit von Bits und Bytes nehmen, statt angestrengt auf hell leuchtende Displays zu blicken sich gemütlich zurücklehnen, entspannt blättern, dem altvertrauten Geräusch umgeschlagener Buchseiten lauschen, Spannendes von Land und Leuten erfahren, kurz: sich beim Lesen wohl und damit “heimisch” fühlen, das gelingt am besten mit dem Schwäbischen Heimat­kalender.

Wir danken Ihnen für Ihre Mühe und Ihre Zeit.

Das Interview führte Dr. Daniel Kuhn.

Dieser Artikel wurde unter Allgemein veröffentlicht und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Direktlink.