Kreativitätspotentiale nutzen – Innovationen schaffen

Oliver Mauroner

Kreativität ist zum Leitbild von Wirtschaft und Gesellschaft avanciert: Mitarbeiter, Führungskräfte, Unternehmen und ganze Branchen müssen kreativ sein, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Kreativität ist dabei kein lebensfernes Konzept, sondern soziale Praktik, unternehmerischer Prozess und persönliche Eigenschaft in einem. Menschen sind jeden Tag kreativ, sie gestalten phantasievoll, lösen Probleme und schaffen Neues.

Professor Dr. Oliver Mauroner lehrt, forscht und berät seit Jahren zu dieser Thematik – seine Erfahrungen sind in die aktuelle Neuerscheinung „Kreativitäts- und Innovationsmanagement“ eingeflossen. Das Buch lenkt den Kreativitätsdiskurs auf jene Aspekte, die wesentlich dafür sind, dass Kreativitätspotenziale tatsächlich genutzt werden können. Wirtschaftliche und organisatorische Aspekte von Kreativität und Innovation werden in verständlicher Weise dargestellt. In der Art eines Zwiebelmodells wird Kreativität ausgehend vom Individuum über Entstehungsorte und soziale Einbindung bis hin zu organisationalen Prozessen schrittweise analysiert, um ein möglichst umfassendes Bild von Kreativität zu erhalten. Dadurch gewinnt der Leser einen Überblick über Theorien, Methoden und die praktische Handhabung der Kreativität.

Aus Anlass der Publikation haben wir mit Professor Mauroner über das Thema Kreativität und Innovation gesprochen.

Umschlagabbildung des BuchesNeu!

Oliver Mauroner
Kreativitäts- und Innovationsmanagement
Von der kreativen Idee zur Innovation

2021. 270 Seiten. Kart. € 44,–
ISBN 978-3-17-031107-7

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Die gute Nachricht dabei ist, dass grundsätzlich jeder Mensch die Voraussetzungen hat, kreativ zu sein.

Sie befassen sich seit Jahren in Theorie und Praxis mit Kreativität und Innovation – deshalb zu Beginn eine ganz grunsätzliche Frage: Muss man kreativ sein, um innovative Ideen zu haben?

Mauroner: Kreativität ist tatsächlich eine Vorbedingung für Innovation. Man muss kreativ sein, um neue Ideen zu haben, den Status quo zu hinterfragen und nach innovativen Lösungen zu suchen. Kreativität und Innovation gehören also zusammen. Kreativität äußert sich darin, dass Menschen sowohl analytisch und rational denken als auch nach Wegen suchen, die von der geltenden Norm abweichen. Die Wissenschaft spricht dabei von konvergentem und divergentem Denken. Konvergentes Denken ist linear und stark ergebnisorientiert und führt unmittelbar zu einem ganz bestimmten Lösungsansatz. Divergentes Denken dagegen ist spielerisch, experimentierfreudig und zuweilen etwas unsystematisch, führt aber zu neuen und vielfältigen Lösungsansätzen. Die Kombination dieser beiden Denkstile ermöglicht nun kreativen Lösungen und damit auch Innovationen. Die gute Nachricht dabei ist, dass grundsätzlich jeder Mensch die Voraussetzungen hat, kreativ zu sein. Jede und jeder hat kreative Potenziale, man muss nur die richtigen Bedingungen schaffen, damit diese auch zur Geltung kommen.

Kreativität wird von vielen mit Kunst und Kultur assoziiert – welche Rolle spielt Kreativität in der Ökonomie und wie kann sie vor diesem Hintergrund gelehrt und gelernt werden?

Mauroner: Kreativität ist im Kontext von Unternehmen besonders wichtig, weil sie zu neuen Produkten, zu besseren Prozessen oder zu neuen Geschäftsmodellen führen kann. In der Kunst steht der schöpferische Akt im Vordergrund, der zu einem originellen Kunstwerk führt, das der Gedankenwelt des Künstlers Ausdruck verleiht oder den Zeitgeist repräsentiert. Kreativität im ökonomischen Sinne ist definiert als etwas, das nicht nur neu und originell ist, sondern auch nützlich im Hinblick auf Zweckgebundenheit, Machbarkeit oder Vermarktbarkeit. Nur wenn beide Aspekte vorliegen, also Originalität und Nützlichkeit, spricht man im ökonomischen Sinne von einem kreativen Ergebnis. Rein wirtschaftlich betrachtet ist Kreativität also eine Ressource, die von Unternehmen in den unterschiedlichsten Bereichen genutzt werden kann, z. B. bei der Produktentwicklung, im Marketing, in der Beschaffung oder in der Geschäftsführung.

Kreativität ist also weder ein Marketing-Gag noch eine Geheimwaffe sondern eine unternehmerische Ressource […]

Ist Kreativität tatsächlich eine Geheimwaffe im unternehmerischen Wettbewerb oder nur ein „Marketing-Gag“ amerikanischer Tech-Unternehmen?

Mauroner: Amerikanische Tech-Unternehmen wie z. B. Google oder Apple werden mit Kreativität in Verbindung gebracht, weil sie ganz besonders viel dafür tun, dass ihre Mitarbeiter gute Bedingungen haben, um kreative Leistungen zu erbringen. Und tatsächlich sind diese Unternehmen mit neuen Ideen, Produkten und Geschäftsmodellen oft sehr erfolgreich. Kreativität ist also weder ein Marketing-Gag noch eine Geheimwaffe, sondern eine unternehmerische Ressource, die von jedem Unternehmen optimal eingesetzt und verwertet werden kann. Dabei sollte man allerdings nicht den Fehler machen, die Technologiekonzerne eins-zu-eins nachzuahmen. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg gehen. Dabei muss es die Anforderungen des Marktes und der Mitarbeiter kennen, die internen Prozesse und Strukturen verstehen und möglicherweise neu ausrichten und dadurch die optimalen Bedingungen für Kreativität schaffen. Ich würde das als Kreativitätsmanagement bezeichnen.

Ganz konkret gefragt: Wie kann man z. B. in Unternehmen die Kreativität fördern. Vermutlich reichen Tischkicker, Boxsack, Bionade-Bar, Liegen und kostenlose Nackenmassage nicht aus, oder?

Mauroner: Tischkicker sind ein wirklich gutes Beispiel dafür, wie Unternehmen versuchen, gute Bedingungen für Kreativität zu schaffen und dabei oft nicht mit der nötigen Konsequenz oder mit der erforderlichen Strategie vorgehen. Ich habe viele tolle Tischkicker in Unternehmen gesehen und bei den meisten gab es ein Problem: Sie wurden nicht benutzt. Entweder weil sie viel zu laut waren, weil die Bälle hinter Schloss und Riegel versperrt waren, weil die Spielzeiten reglementiert wurden oder weil es schlichtweg nicht gern gesehen wurde. In solchen Fällen ist ein Tischkicker nicht mehr als ein Signal dafür, dass das Unternehmen erkannt hat, etwas für mehr Kreativität tun zu müssen. Und tatsächlich ist es gar kein schlechter Start, denn Auszeiten und Pausen aktivieren das schöpferische Potenzial von Menschen und tragen zum Problemlösen bei. Es muss aber nicht zwangsläufig ein Tischkicker sein, viel mehr kommt es darauf an, den richtigen Mix zwischen Ablenkung und Konzentration zu schaffen. Um Kreativität zu fördern, müssen Unternehmen auf vielen Ebenen gleichzeitig ansetzen: an der Ebene von Mitarbeitern und Teams, Management und Führung, organisationalen Strukturen und schließlich auch an den Arbeitsbedingungen. So geht es z. B. darum, den Mitarbeitern die Fähigkeiten zu vermitteln, die zur Lösung von Problemstellungen notwendig sind, denn ohne das nötige Wissen und die erforderlichen Kompetenzen können auch keine kreativen Ideen entstehen. Gleichzeitig kommt es auf Motivation und die richtigen Bedingungen für Austausch und Zusammenarbeit an, insbesondere die gewährten Entscheidungsspielräume und Informationsflüsse. All diese Ebenen stehen also miteinander in Verbindung, wenn es um die Förderung von Kreativität im Unternehmen geht – Mensch, Team, Organisation. Es reicht nicht, Kreativität zu initiieren und dann sich selbst zu überlassen. Kreativität muss bewusst und nachhaltig gemanaged werden.

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch!


Oliver Mauroner ist Professor für Zukunftsorientiertes Management im Mittelstand an der Hochschule Mainz. Er forscht u.a. an Entwicklung, Umsetzung und Management kreativer Ideen sowie an der Bedeutung von Kreativität für Innovation und Unternehmertum. Wichtige berufliche Stationen waren an der Bauhaus-Universität Weimar, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Daimler AG und dem Mitteldeutschen Rundfunk. Oliver Mauroner studierte Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Ilmenau und promovierte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.


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