Die Schweden im deutschen Südwesten

Spätestens seit der Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Beziehungen zwischen Schweden und dem Südwesten ein fester Bestandteil des europäischen Netzes internationaler Kooperationen. Das Herrscherhaus Vasa betrieb eine aktive Konfessions-, Außen- und Dynastiepolitik: Es sah in den protestantischen Fürsten des Heiligen Römischen Reiches „natürliche“ Verbündete, um die Herrschaft im eigenen Land zu konsolidieren und nach außen hin zu legitimieren. So spielten auch für den Kriegseintritt Schwedens 1630 die Tatsachen eine zentrale Rolle, dass die konfessionelle Frage im Reich erneut an Brisanz gewann und dass das Wohl der deutschen Verwandtschaft auf dem Spiel stand.

Gewinnen Sie erste Eindrücke der Geschichte der Schweden in Süddeutschland in diesem Interview.

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Volker Rödel/Ralph Tuchtenhagen (Hrsg.)
Die Schweden im deutschen Südwesten
Vorgeschichte – Dreißigjähriger Krieg – Erinnerung

2020. XII, 391 Seiten, 61 Abb., 1 Ausklapptafel. Kart. € 28,–
ISBN 978-3-17-037424-9

Aus der Reihe „Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen

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Was gab den Anstoß, ein Buch über Schweden und den deutschen Südwesten während des Dreißigjährigen Krieges zu publizieren?

Prof. Dr. Volker Rödel: Äußerer Anlass für die 2018 in Heidelberg veranstaltete Tagung, deren Ergebnisse der Band präsentiert, war der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 400 Jahre zuvor. Es galt dabei bewusst zu machen, dass schon seit der Mitte des 16. Jahrhunderts – ausgehend von Sebastian Münsters „Kosmographie“ – im südwestdeutschen Raum kulturelle und vor allem auch dynastische Beziehungen der Häuser Pfalz und Baden mit Schweden bestanden, was sowohl hier wie dort bisher kaum bekannt war. Das schwedische Engagement im Dreißigjährigen Krieg hatte hierzulande eben auch eine Vorgeschichte, zu der z. B. gehört, dass König Gustav Adolf schon 1620, also zehn Jahre vor seinem Kriegseintritt, hier am Oberrhein inkognito unterwegs war. Genauso wenig aufgearbeitet war bisher das historische Erinnern an die Kriegsbeteiligung Schwedens, das konfessionell verschieden ausfiel, beispielsweise Dankprozessionen für die seinerzeitige Bewahrung vor den Schweden hier und Gustav-Adolf-Kult da, worüber man sich in diesem Band auch gut informieren kann.

Marcus zum Lamm, Thesaurus picturarum, IV, fol. 292r, Aquarell. Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt Hs 1971: Triumphwagen, den schwedischen Seeherrschaftsanspruch symbolisierend, für das Tauffest des Prinzen Gustav Ludwig von Södermanland am 7./(17).4.1583 im Herrengarten zu Heidelberg; das Motiv des Wals aus der Carta Marina von Olaus Magnus.

Welche Forschungsergebnisse des Bandes sind besonders bemerkenswert?

Friedrich Fechter, Medaille auf den Tod Gustav II. Adolfs, Basel 1632. (Stuttgart, Landesmuseum Württemberg, Inv.-Nr. MK 21845)

Prof. Dr. Volker Rödel:Es mag befremdlich klingen, aber das an erster Stelle zu nennende Ergebnis der Tagung ist, dass viele noch weitergehende Forschungsfragen als die hier behandelten nun präziser gestellt und künftig besser beantwortet werden können. Das gilt besonders für die bisher kaum beachtete intensive Fortdauer der schwedischen Kriegsbeteiligung nach dem frühen Tod Gustav Adolfs. Dabei zeichnete sich trotz der schwedischen Präsenz im Elsass zunehmend der Rhein als Grenze zwischen den politischen Einflusssphären Schwedens und Frankreichs ab, wie sich überhaupt im südwestdeutschen Raum die spanisch-österreichischen mit den französischen Interessen überschnitten haben. Wir wissen nun auch mehr darüber, auf welche Weise der Dreißigjährige Krieg sein Wesen von einem Religionskrieg im Reich zu einem internationalen Konflikt wandelte, aber auch darüber, welche Rolle die persönliche Frömmigkeit der Protagonisten beider Seiten spielte, wobei sich die Konfessionsunterschiede mehr und mehr verwischten. Auch die Frage nach der Anwendung von Recht im Krieg ist nun prägnanter zu formulieren und zu beantworten.

Aus welchen Gründen engagierte sich das schwedische Herrscherhaus Vasa während des Dreißigjährigen Krieges im deutschen Südwesten?

Prof. Dr. Ralph Tuchtenhagen: Es gab hierfür ein ganzes Bündel von Gründen. Sie waren teils dynastischer, teils konfessioneller, teils militärisch-strategischer und -logistischer, teils symbolpolitischer Art:

Welche zentralen Auswirkungen hatte der Eintritt ins Kriegsgeschehen in Schweden?

Prof. Dr. Ralph Tuchtenhagen: Die Auswirkungen lassen sich nach traditionellen und unmittelbaren Wirkungen unterscheiden.

Münzfund von Tamm (Auswahl). Präsentation in der Schausammlung „Legendäre Meister Werke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg im Landesmuseum Württemberg, Stuttgart. (Foto: Hendrik Zwietasch)

Das Interview führte Isabelle Löffler von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg.

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