250 Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament
Wenn das kein Grund zum Feiern ist: Mit Stefan Schreibers Monografie zu den Johannesbriefen ist der 250. Band der Reihe „Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament“ erschienen!

Stefan Schreiber
Die Kinder Gottes und ihr Christus
Die Johannesbriefe als Lotsen einer frühjüdischen Messias-Bewegung
2025. 319 Seiten, kartoniert
€ 89,–
ISBN 978-3-17-046279-3
Reihe: Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament (BWANT), Band 250
Noch zu Kaisers Zeiten, im Jahr 1908, erschien der erste Band, damals noch im Leipziger Hinrichs Verlag, seit 1920 ist die Reihe fester Bestandteil des Kohlhammer Verlagsprogramms. Viele namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in diesen 117 Jahren ihre Forschung in Bänden der Reihe veröffentlicht oder als Herausgebende das Profil der Reihe geprägt. Auch zukünftig wird diese Tradition nicht abreißen. Mit Jan Dietrich (Altes Testament, Bonn) und Veronika Burz-Tropper (Neues Testament, Leuven) tritt eine neue Generation in den Herausgabekreis und bereichert das bestehende Team aus Ruth Scoralick (Altes Testament, Tübingen), Reinhard von Bendemann (Neues Testament, Bochum) und – noch bis Ende des Jahres – Marlis Gielen (Neues Testament, Salzburg).
Frau Scoralick, Herr von Bendemann, Frau Gielen: Sie sind nun schon seit einigen Jahren für die Reihe verantwortlich. Wenn Sie auf diese Zeit, aber auch die Ihrer Vorgänger blicken: Was hat sich in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten geändert?

Wie in so vielen Fällen gilt auch hier das Diktum Heraklits: panta rhei – alles fließt. Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Methoden: Anfang des 20. Jahrhunderts stand die Literarkritik im Mittelpunkt, stark geprägt vom historischen Paradigma. Dann kamen Einflüsse der religionsgeschichtlichen Schule, später die Formgeschichte, ab den 1950ern die Redaktionskritik und schließlich Zugänge wie der literary criticism. Parallel dazu intensivierte sich der Dialog mit Judaistik, Soziologie, Psychologie und Liturgiewissenschaft. Bei allem Wandel ist jedoch eine Konstante unverrückbar geblieben: Die sorgfältige, philologisch fundierte Arbeit. Auch dafür steht die Reihe BWANT, für diese Gründlichkeit, die das Rückgrat der exegetischen Wissenschaft ist.
Und an die Neuen, Frau Burz-Tropper und Herr Dietrich, wie ist das für Sie, jetzt Teil eines Kreises zu sein, zu dem Wissenschaftler wie Rudolf Kittel und Albrecht Alt zählen?

Burz-Tropper: Ich freue mich einfach, nun Mitherausgeberin einer so renommierten Reihe aus dem deutschsprachigen Raum zu sein, die es seit mehr als 100 Jahren gibt! Ich hatte selbst als Herausgeberin eines Sammelbandes in der Reihe sehr gute Erfahrungen mit den ReihenherausgeberInnen und dem Verlag. Deshalb habe ich dann auch nicht lange gezögert, als ich gefragt wurde, bei der Reihe einzusteigen. Ich finde die Vielfalt der Themen und dass es eine Reihe zu AT und NT ist, einfach spannend und möchte weiterhin zu einem vielfältigen, bunten und wissenschaftlich fundierten Programm beitragen, das in Zukunft auch über den deutschsprachigen Raum weiter hinausgeht.
Dietrich: Albrecht Alt und Rudolf Kittel waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeutende Professoren in Leipzig; viel später durfte ich dort für sieben Jahre als Assistent wirken. Nun freue ich mich umso mehr, Mitherausgeber einer Reihe sein zu dürfen, in der schon diese beiden ganz Großen ihres Faches als Herausgeber wirkten! Es ist spannend, eine so traditionsreiche Reihe mit geschätzten Kolleginnen und Kollegen in einem vorzüglichen Verlag prägen und gestalten zu können. Mein Ziel für die kommenden Jahre der Reihe wäre es, sie mit ihrer guten, klassischen Ausrichtung stärker international zu etablieren. Ländergrenzen spielen in der Exegese – ähnlich der Fächergrenzen – immer weniger eine Rolle. Von daher denke ich, mehr englischsprachige Werke in die Reihe aufzunehmen und generell mehr über den Tellerrand der biblischen Exegese und der Theologie hinauszublicken.
Da benennen Sie vermutlich eine der größeren Veränderungen in der Exegese der letzten Jahre, die Zusammenarbeit über Fächergrenzen hinweg.
von Bendemann: Ja, die Grenzen sind deutlich durchlässiger geworden. Dass es gemeinsame Forschungsanliegen beispielsweise mit den Fächern Patristik oder Judaistik gibt, zeigt sich auch in den Veröffentlichungen der Reihe.
Nehmen Sie noch weitere (gesellschaftliche) Veränderungen wahr, die in der exegetischen Arbeit eine Rolle spielen?

von Bendemann: Auch die Digitalisierung macht vor den Bibelwissenschaften keinen Halt. Was zu meinen Studienzeiten noch mühsame Handarbeit war – Stichwort: Konkordanzarbeit – steht jetzt über Textdatenbanken wie Logos oder Accordance quasi auf Knopfdruck binnen Sekunden zur Verfügung – ich selbst arbeite schon lange vorrangig mit dem Thesaurus Linguae Graecae. Über die Herausforderung, vor die die zunehmende Nutzung von KI im Universitätsalltag stellt, ist andernorts schon viel geschrieben worden; das wird wohl bald auch Qualifikationsarbeiten und andere Manuskripte betreffen.
Burz-Tropper: Aber auch inhaltlich spiegeln sich gesellschaftliche Veränderungen natürlich auch in der Exegese. Theologie muss heute ökumenisch und kultursensibel denken. Um nicht ins gesellschaftliche Abseits zu geraten, muss Theologie – und damit auch die Bibelwissenschaft – offen sein für Fragestellungen und Anfragen aus anderen, aktuell vielleicht ‚populäreren‘ Fächern oder Forschungsrichtungen.
Ich möchte das Stichwort „Internationalisierung“ nochmal aufnehmen. Sie erwägen eine Ergänzung des Herausgabekreises durch ein advisory board. Was bedeutet das genau?

Dietrich: Angedacht ist eine Erweiterung durch einige internationale KollegInnen, um noch mehr Vielfalt zu gewährleisten und internationaler zu werden. Das hieße, dass wir einige nicht-deutschsprachige KollegInnen in ein sogenanntes advisory board aufnehmen. Sie können die Reihe auch in ihren Kreisen publik machen, für komplementäre Review-Tätigkeiten angefragt werden und die Reihe mit ihren zusätzlichen Kompetenzen thematisch noch breiter aufgestellt sein lassen, als dies in einem kleinen Kreis möglich ist, wo vier oder fünf HerausgeberInnen beide Testamente abdecken.
Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.