Erzähl mal was!
Ein Interview mit der Autorin
Erzählen ist ein selbstverständlicher Teil zwischenmenschlicher Kommunikation. Neben seiner hohen Alltagsrelevanz ist das Erzählen aber auch für die individuelle Entwicklung und Bildung bedeutend. Daher sollten Kinder hier schon möglichst früh gefördert werden. In ihrem Buch zeigt Astrid Drick, wie dies in Kita, Hort sowie Familien erfolgreich umgesetzt werden kann.

Astrid Drick
Mit Kindern erzählen
Erzählförderung in Kita, Hort und Familien - vom Grundwissen zur praktischen Umsetzung
2026. 189 Seiten mit 3 Abb. Kart.
€ 32,–
ISBN 978-3-17-044180-4
Frau Drick, welche Rolle spielen Erzählen und Zuhören im Alltag für die sprachliche, kognitive und soziale Entwicklung von Kindern?
Erzählen und Zuhören spielen in allen Bereichen eine zentrale Rolle. Beim Erzählen erweitern Kinder ihren Wortschatz und erproben grammatische Strukturen, wovon besonders Kinder mit Deutsch als Zweitsprache profitieren. Im Bereich Kognition fördert Erzählen die Fähigkeit, Erlebnisse zusammenhängend darzustellen, so dass sie für den Zuhörer Sinn ergeben. Auf der sozialen Ebene ist Erzählen u. a. wichtig für den Aufbau von Kontakten sowie die Teilhabe an Interaktionen wie z. B. Spielen.
Woran können pädagogische Fachkräfte erkennen, dass ein Kind beim Erzählen Unterstützung benötigt?
Unterstützungsbedarf beim Erzählen zeigt sich oft in mangelnder Kohärenz: Strukturelemente der Geschichte fehlen, Ereignisse sind unverständlich angeordnet oder Bezüge zwischen Personen und Handlungen bleiben unklar. Bei der Beurteilung der Erzählkompetenzen sind allerdings immer Alter, Erzählanlass und sprachliche Voraussetzungen des Kindes zu berücksichtigen. Erkennbare Probleme sollten dann frühzeitig gefördert werden, da bloßes Abwarten im Sinne eines „Wait and see“-Ansatzes keine Besserung bewirkt.
Welche niedrigschwelligen Methoden oder Impulse zur Erzählförderung können Fachkräfte ohne großen zusätzlichen Aufwand in ihren Alltag integrieren?
Fachkräfte könnten alltägliche Übergänge, etwa beim Aufräumen oder Warten, gezielt für Erzählimpulse nutzen. Um ein Gespräch zu eröffnen, können sie z. B. selbst von Erlebnissen erzählen, z. B. „Weißt du, was mir gestern auf dem Nachhauseweg passiert ist?“. Auch sollten einzelne Äußerungen der Kinder aufgegriffen werden. Sagt ein Kind beispielsweise: „Ich habe auch schon mal ein Pony gesehen“, können aufmerksames Zuhören und interessierte Nachfragen rasch eine ganze Erzählrunde entstehen lassen.
Was möchten Sie pädagogischen Fachkräften mit Ihrem Buch besonders mitgeben – und welchen konkreten Nutzen soll es ihnen in der Praxis bieten?
Mir ist es wichtig, keine weitere Sammlung von Erzählspielen vorzulegen, sondern Fachkräften ein fachliches Fundament zu bieten, das sie nutzen können, um den Förderbedarf von Kindern einzuschätzen und passende Maßnahmen abzuleiten. Außerdem sollte das Erzählen von Erlebnissen im Gespräch mehr unterstützt werden, denn persönliche Erzählungen machen nicht nur mehr als die Hälfte der Gespräche von Kindern aus, sondern sind für Teilhabe und die sozial-emotionale Entwicklung der Kinder immens wichtig. Mein Buch bietet dazu praxiserprobte Anregungen.
Weitere Informationen zum Buch finden Sie in unserem Shop.
Dr. Astrid Drick ist Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin, Lerntherapeutin und Bildungsreferentin.