Neue Reihe: Religionspädagogik kooperativ
Mit dem Band „Zur Zukunftsfähigkeit des Religionsunterrichts“ startet unsere neue Reihe
Wir freuen uns, dass mit dem Titel „Zur Zukunftsfähigkeit des Religionsunterricht“ Ende Juni der Startband der neuen Reihe „Religionspädagogik kooperativ“ erscheint. Hier erklären die vier Herausgebenden, was sie mit dieser Reihe vorhaben, was Kooperation für sie bedeutet und wo sie die Zukunft der Religionspädagogik sehen. Informationen über die Reihe finden Sie auch hier.

Religionspädagogik kooperativ
Reihennummer 2346
Britta Baumert: Durch die Erfahrungen in meiner jahrelangen, engen Zusammenarbeit mit Caroline Teschmer im Kontext der konfessionellen Kooperation habe ich den Wert der Kooperation schätzen gelernt. Insbesondere durch die Arbeit an der Fachdidaktik wurde deutlich, dass Kooperation eben mehr ist als die Summe ihrer Teile. Durch eine gelungene Kooperation kann Neues entstehen, im Austausch, im Prozess im gegenseitigen Befruchten. Daraus entstand dann auch der Gedanke, Kooperation nicht nur als Modus der Zusammenarbeit zu betrachten, sondern sich der Kooperation auch als Gegenstand der Religionspädagogik zu widmen. So kam uns die Idee zur Reihe.
Caroline Teschmer: Dabei denken wir aber nicht nur an konfessionelle Kooperation. Kooperation hat ja so viele Facetten. Das lässt sich auf Ebene der handelnden Personen denken wie auch auf Ebene der Institutionen. Denken Sie nur an multiprofessionelle Teams in Schule, KiTa und Gemeindekontexten oder außerschulische Lernorte.
Eine weitere Perspektive, die uns wichtig erscheint, ist die Pluralisierung als gesamtgesellschaftlicher Transformationsprozess. So ist es uns ein Anliegen, gezielt auch interreligiöse, interkulturelle und internationale Kooperationen bzw. Perspektiven auf Kooperation in den Blick zu nehmen.
Im Wissenschaftskontext, in dem wir uns ja bewegen, spielt wiederum die interdisziplinäre Kooperation eine zentrale Rolle. Deshalb war es uns auch wichtig, weitere Mitstreiter für die Reihe zu gewinnen, die wiederum ihre eigene Perspektive auf Kooperation, ihre Expertise und ihre Netzwerke einbringen können.
Johannes Heger: Diese Weite des Kooperationsbegriffes, die so zahlreiche und verschiedene wissenschaftliche und gesellschaftliche Felder tangiert, bietet nicht zuletzt auch wissenschaftstheoretisch gesehen eine relevante Option: Angesichts einer sich zunehmend inhaltlich und methodisch ausdifferenzierenden Religionspädagogik eröffnet Kooperation als roter Faden eine konzise und zeitgemäße Erschließungsperspektive unserer Disziplin.
Als ehemaligem Religionslehrer und Ausbilder ist mir dabei v. a. die Kooperation zwischen Theorie und Praxis, zwischen religionspädagogischen Wissenschaftler:innen und religionspädagogisch Handelnden an unterschiedlichen Lernorten ein Herzensanliegen. Fachlich verweisen für mich nicht zuletzt aktuelle Querschnittsthemen (Inklusion, Migration, Digitalisierung etc.) auf die Relevanz von Kooperation in Theorie und Praxis. Konkret erlebe ich dies selbst aktuell im Bereich meiner Arbeit zum Themenfeld „Religiöse Bildung angesichts Künstlicher Intelligenz“.
Christoph Wiesinger: Auch ich denke Kooperation als einen dynamischen Prozess, der mehr ist als ein organisatorischer Modus – nämlich als eine lernförderliche Praxis, die uns herausfordert, vertraute Perspektiven zu hinterfragen. Für mich bedeutet das vor allem: Kooperation als gemeinsamen Lernweg zu begreifen, besonders dann, wenn wir uns mit Erfahrungen und Sichtweisen auseinandersetzen, die außerhalb unserer eigenen Erfahrungswelt liegen. Solche Begegnungen machen deutlich, dass unsere Zugänge, unser Wissen und unsere Methoden nicht neutral oder selbstverständlich sind.
Aus einer didaktischen Perspektive gestalten sich Lernprozesse relational – in Auseinandersetzung mit vielfältigen Kontexten, Erfahrungen und Wissensformen. Kooperation kann helfen, diese Differenzen nicht zu nivellieren, sondern als Anlass für gemeinsame Bildungsprozesse zu verstehen. Es geht dabei nicht um Gleichmacherei oder symbolische Teilhabe, sondern um ein Ringen um gerechtere Bildungsräume. In diesem Sinne schließt sich für mich an die bestehenden Überlegungen zur konfessionellen, interdisziplinären oder interreligiösen Kooperation auch die Frage an, wie wir kooperativ arbeiten können – im Bewusstsein historischer Prägungen, gegenwärtiger Bildungsbeziehungen und zukünftiger Verantwortung.



